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Serien-Flugauto: Der fliegende Holländer 2.0

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Pal-V

Was bei PAL-V seit Jahren nach Science-Fiction klingt, bekommt zunehmend den Anstrich eines ganz normalen Industrieprojekts: Das niederländische Unternehmen hat seine europäische Produktionsgenehmigung (Production Organisation Approval, POA) erhalten. Damit darf PAL-V Luftfahrtprodukte nach den strengen Vorgaben der europäischen Luftfahrtbehörde EASA fertigen.

Das klingt zunächst nach einem weiteren bürokratischen Haken auf einer langen Liste. Tatsächlich ist es einer der entscheidenden Schritte auf dem Weg vom spektakulären Prototypen zum zertifizierten Produkt. Denn ein Fluggerät zu entwickeln ist das eine. Es anschließend in Serie so zu bauen, dass jedes einzelne Exemplar den luftfahrtrechtlichen Anforderungen entspricht, ist eine ganz andere Hausnummer. PAL-V hat nun sowohl die automobil- als auch die luftfahrtseitigen Produktionsgenehmigungen beisammen. Das Unternehmen ist damit nach eigenen Angaben der erste Anbieter im FlyDrive-Segment der Advanced Air Mobility, der diese Kombination vorweisen kann. Während in den USA und China zahlreiche Projekte an elektrisch betriebenen Flugtaxis und anderen Luftmobilitätskonzepten arbeiten, verfolgt PAL-V einen etwas anderen Ansatz: Das Fahrzeug soll Straße und Luft nicht nur technologisch, sondern auch praktisch miteinander verbinden.

Ein wichtiger Meilenstein

Der neue Meilenstein kommt nicht aus dem Nichts. PAL-V arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten an der Zertifizierung seines Konzepts und hat dabei Schritt für Schritt die regulatorischen Hürden genommen. 2025 erteilte die EASA bereits einen „No Technical Objection“. Mit der nun erteilten POA wird bestätigt, dass auch das Produktionssystem die Anforderungen an eine lufttüchtige Fertigung erfüllt.Und genau hier wird es interessant. Denn der vielleicht wichtigste Teil der Nachricht ist nicht, dass PAL-V ein fliegendes Auto bauen kann. Das versucht die Branche seit Jahrzehnten. Interessanter ist, dass das Unternehmen offenbar einen Weg gefunden hat, ein solches Produkt in die bestehende Luftfahrtregulierung einzupassen. Aus dem spektakulären Demonstrator soll damit ein zertifizierbares und industriell produzierbares Fahrzeug werden. PAL-V-Chef Robert Dingemanse spricht entsprechend von einer „Organisation von Weltklasse“, die lufttüchtige Produkte entwickeln, zertifizieren und fertigen könne. Das ist natürlich CEO-Sprache. Aber diesmal gibt es immerhin eine behördliche Genehmigung, die einen Teil dieser Selbstbeschreibung untermauert.

Regionalität als Priorität

Auch wirtschaftlich will PAL-V bereits weiter sein als viele Wettbewerber. Nach Unternehmensangaben reicht der bestehende Reservierungsbestand aus, um die ersten drei Produktionsjahre auszulasten. Ob aus Reservierungen tatsächlich langfristig belastbare Nachfrage wird, muss sich allerdings erst zeigen. Zwischen einem reservierten Flugauto und einem regelmäßig genutzten Verkehrsmittel liegen schließlich noch einige Flugstunden – und vermutlich einige Kundengespräche. PAL-V denkt derweil längst über das einzelne Fahrzeug hinaus. Rund um das Unternehmen ist ein Netzwerk aus europäischen Zulieferern, Partnern, Forschungseinrichtungen und Spezialisten für Zertifizierung und Regulierung entstanden. Für die Niederlande ist das durchaus bemerkenswert: Das Land bekommt damit wieder einen Flugzeughersteller mit internationalem Anspruch – wenn auch einen, dessen Flugzeug zunächst ziemlich viel Zeit auf der Straße verbringen sollen.

Wo geht die reise hin?

Technologisch soll die Reise ebenfalls weitergehen. PAL-V verweist auf Entwicklungen beim autonomen Fliegen, bei neuen Materialien und Komponenten sowie bei emissionsfreien Antriebssystemen. Gerade letzteres dürfte entscheidend werden. Ein fliegendes Fahrzeug mag technisch faszinierend sein – dauerhaft gesellschaftsfähig wird es aber kaum, wenn es beim Energieverbrauch den Charme eines kleinen Flugzeugs mit dem Komfort eines Autos verbindet. Mit der Produktionsgenehmigung ist PAL-V also noch nicht am Ziel. Aber erstmals sieht das Projekt weniger nach einer futuristischen Machbarkeitsstudie und mehr nach einem echten Industrievorhaben aus. Die große Frage lautet nun nicht mehr nur: Kann ein Auto fliegen? Sondern: Lässt sich daraus ein Geschäft machen? PAL-V hat darauf offenbar schon eine Antwort. Jetzt muss der Markt sie bestätigen.

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